Schloss Angenstein
Das Schloss Angenstein dominiert die Felsenge an der Birs, die den Übergang vom Laufental ins Birseck markiert. Um den imposanten mittelalterlichen Wohnturm schmiegen sich jüngere Bauten. Der Baukomplex ist Zeugnis zahlreicher Katastrophen wie auch Neubauten.
Frühzeit im Dunkeln
Die Deutung von «Angenstein» ist einfach wie einleuchtend: «Stein im Engnis». Es handelt sich also um einen so genannt sprechenden Burgnamen. Wann und von wem hier eine erste Burg errichtet worden war, entzieht sich unserer Kenntnis. Für das 13. Jahrhundert kommen dafür am ehesten die Grafen von Pfirt in Frage, in deren einstigem Eigengut auch das Engnis der Birs lag. Aber auch die Basler Ritterfamilie der Münch werden als Gründer der Burg vermutet. 1271 scheint der Platz dann in den Besitz des Bischofs von Basel gelangt sein. Erst 1320 wird die Burg Angenstein erstmals schriftlich erwähnt. Sicher bis 1460 sitzen die Münch auf der Burg.
Zerstörungen durch Erdbeben und Feuer
Laut der schriftlichen Überlieferung wird 1356 im verheerenden Erdbeben von Basel auch die Burg Angenstein zerstört. Wahrscheinlich ist dabei die Nordwand des grossen Wohnturms mitsamt den Eckpartien Richtung Birs abgestürzt. Dendrochronologisch datierte Konsolbalken an der Aussenlaube legen nahe, dass die Ausbruchstelle 1365 neu aufgebaut worden ist. 1491 und gleich wieder 1517 brannte der Turm jedoch vollständig aus, beim zweiteren Unglück kam die damalige Besitzerfamilie der Lichtenfels in der Feuerbrunst um. Es sollte nicht das letzte Unglück sein, das Angenstein ereilte: 1984 zerstörte wieder ein Brand Teile der Schlossanlage. Die >Wiederentdeckung der Glocken aus der damaligen Burgkapelle führte zu einigem Aufsehen.
Ein Wohnturm der Extraklasse
Dank dendrochronlogisch datierter Bauhölzer ist bekannt, dass der rechteckige Wohnturm kurz nach 1286 erbaut worden ist. Bauherr dürfte der Bischof von Basel sein, der sich mit dem eindrücklichen, viergeschossigen Baukörper mit Grundmassen von 15,5 auf 18,5 Metern einen Sitz im Eingang zum Laufental errichtet haben dürfte. Die Fassaden sind aus gesägten Kalktuffsteinen gefügt und im Ausbau des späten 14. Jahrhunderts waren das 1. bis 3. Obergeschoss fast allseits mit gotischen, zumeist zwei- bis dreifachen Lanzettfenstern versehen. Säle mit offenen Kaminen, wohl ein Kapellenraum im Osten sowie im 3. Obergeschoss eine ausgedehnte Aussenlaube verschafften diesem Bauwerk ungewöhnlich viel repräsentativen Wohnraum. Komplizierte Lehensaufteilungen zu Beginn des 14. Jahrhunderts könnten darauf hinweisen, dass vielleicht mehr als nur eine adelige Partei auf der Burg wohnte.
Das frühneuzeitliche Schloss
Nach dem verheerenden Brand von 1517 blieb Angenstein mehrere Jahrzehnte Ruine. Erst 1562 errichtete Wendelin Zipper, der Kanzler des Bischofs Basel, in dessen Auftrag um den Wohnturm herum neue Wohnbauten und eine Kapelle. Als Konzession der ebenfalls um den Besitz von Angenstein buhlenden Solothurner blieb der Wohnturm aber nur in seinen Aussenwänden und ohne Innenausbau bestehen – und dies bis heute. Weitere Bauten erfolgten 1611 und insbesondere mit der grossen Scheune 1660, zuletzt auch noch 1826 mit der Kutschenremise. Seit 1951 befindet sich Angenstein im Besitz der Bürgergemeinde Basel.