Ruine Altenberg
Ruine Altenberg Füllinsdorf
Ruine Altenberg
Ruine Altenberg Füllinsdorf
Ruine Altenberg
Ruine Altenberg Füllinsdorf

Ruine Altenberg

In den 1980er Jahren fanden auf dem Altenberg ob Füllinsdorf umfangreiche Grabungen statt. Gemeinsam mit der Universität Basel war die Archäologie Baselland einer Burganlage auf der Spur, von der kaum mehr etwas zu sehen war und niemand etwas Genaueres wusste. Es war die letzte Burgengrabung im Kanton. Wie sich herausstellte, ist der Altenberg aber zugleich eine der ältesten Burgen der Region. Die Fundstelle gilt heute als Referenz für Fragen des frühen Burgenbaus.

Überraschende Grabungsresultate
Die Resultate der Untersuchungen übertrafen alle Erwartungen. Ans Licht kam eine der ältesten Burganlagen der Region, gegründet in den Jahren um 1000 und vor 1100 bereits wieder verlassen. Das Fundmaterial war dermassen reichhaltig, dass ein ganzes Team von Spezialistinnen und Spezialisten nötig war, um die Fülle an Informationen, die es bot, umfassend auszuwerten und 2013 schliesslich zu publizieren.

Die Anlage
Beidseits durch ein von oben einsehbares Wall-Grabensystem geschützt, umfasst eine der Hangkante entlang laufende Ringmauer einen grösseren Innenhof, der im Südosten von einem mächtigen Wohnturm abgeschlossen wurde. Mauerstärken von gegen zwei Metern und ein Hocheingang lassen auf ein mächtiges, mindestens drei- oder viergeschossiges Bauwerk schliessen. Eine bis zu vier Meter hohe Erdanschüttung an der Aussenseite liess das Bauwerk noch imposanter erscheinen. Südlich davon schloss eine mehrfach umgestaltete Toranlage an. Zwei Abortschächte am nördlichen Bering lassen vermuten, dass dort ein weiteres Gebäude in Holz, vielleicht eine Art Palas, an die Befestigung anlehnte. Im Hof fanden sich zudem ein Erdkeller und die im Boden eingetiefte Heizanlage eines Schwitzbades.

Kostbare Funde aus dem 11. Jahrhundert
Während der Grabung kamen einige ausserordentlich qualitätsvolle Funde zum Vorschein, die das gehobene Leben auf der Burg beweisen: silberne Münzen, vergoldete, mit Silbereinlagen versehene oder geschnitzte Bestandteile der ritterlichen Ausrüstung und Bewaffnung, kostbares Bronze- und Glasgeschirr, aber auch > Teile von Brettspielen, die von adeligen Mussestunden zeugen. Beachtlich sind auch grosse Mengen an Keramik mit über 6000 Scherben von rund > 270 Kochtöpfen: eines der grössten und bestdatierten Fundensembles der Region aus dem 11. Jahrhundert.

Ein reichhaltiger Speisezettel
Nicht nur die Funde, auch die Tierknochen geben ein eindrückliches Bild von der hohen Lebensqualität auf der Burg. Über 75000 Knochenreste stammen mehrheitlich von Schweinen und Rindern, Schafen, Ziegen, Hühnern und Gänsen. Der grosse Anteil an Jungtieren weist auf hohe Fleischqualität. Rothirsch, Reh, Wildschwein, Bär, Fuchs, Hase, Biber, Eichhörnchen und Wildgeflügel belegen darüber hinaus eine vielfältige Jagd. Unter den ebenfalls zahlreichen Fischresten sticht der Hering heraus – bislang der früheste Nachweis für den Import eines Meerfisches im Gebiet der mittelalterlichen Schweiz!

Wer waren die Besitzer?
Schriftliche Quellen zu dieser bedeutenden Anlage fehlen. Den Funden zufolge war die Burg um das Jahr 1000 gegründet und bereits im späteren 11. Jahrhundert wieder verlassen worden, nachdem sie zwischenzeitlich einmal durch einen Brand zerstört und vielleicht nur behelfsmässig wieder instand gestellt worden war. Die Burg stammt demnach aus einem Zeitraum, in dem um die politische Angliederung der Region ans Heilige Römische Reich gerungen wurde. In dieser Frühzeit des Burgenbaus ist am ehesten mit einer königlichen oder doch zumindest hochadeligen Bauherrschaft zu rechnen; einfachere edelfreie Geschlechter kommen für diese Zeit allenfalls als Ausführende, kaum jedoch als Auftraggeber in Betracht.

Ein Ende im Investiturstreit?
Auf der Suche nach einem hohen Auftraggeber für die Burg Altenberg stösst man im historischen Umfeld des Hochrheins rasch einmal auf den Grafen des Sisgaus, Rudolf, der in einer Urkunde von 1048 genannt wird. Er dürfte mit Rudolf von Rheinfelden identisch sein, der 1057 zum Herzog von Schwaben avancierte und 1077 von den Gegnern Kaiser Heinrichs IV. zum Gegenkönig gewählt wurde. Vielleicht ist der Untergang der Burg viel direkter mit der Niederlage und dem Tod Rudolfs von Rheinfelden 1080 verbunden, als die dürftige Quellenlage erahnen lässt.

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